Prosten – regionale Küche mit Geschichte und Handwerkskunst aus Hol Ysteri
Auf dem Hof Hol Ysteri in Hallingdal wird der preisgekrönte Käse Prosten hergestellt – ein gereifter Frischkäse aus eigener Ziegenmilch. Dahinter steht Käsemeister Tim Reidar Stenberg, der zusammen mit seiner Partnerin Hirsti Kirista die Hofkäserei unter dem Markennamen Prestholt Geitost betreibt. Prosten ist ein Käse mit Seele, Geschmack und einer ganz besonderen Geschichte von Freundschaft, Tradition und echter norwegischer Handwerkskunst.
Vom Konditor zum Käsehersteller
Tim Reidar Stenberg absolvierte ursprünglich eine Ausbildung zum Koch und Konditor, übernahm aber 2012 den elterlichen Betrieb. Heute stellt er auf seinem eigenen Bauernhof in Hol unter dem Namen Prestholt Geitost preisgekrönte Käsesorten her. Gemeinsam mit seiner Partnerin Hirsti Kirista Stenberg führt er die Familientradition der Ziegenhaltung und Käseherstellung in Hallingdal fort. Brunost, hergestellt aus Ziegenmolke und -rahm, war lange Zeit das Aushängeschild, doch der Wunsch, weitere Verwendungsmöglichkeiten für Ziegenmilch zu entdecken, führte zu neuen Ideen – und einem völlig neuen Käse.
Wenn der Priester an die Tür klopft
Als der neu angekommene Pfarrer Sveinung Hansen vom Nachbarhof eintraf, war die Idee für einen cremigen Dessertkäse bereits in Planung. „Ich wollte eine norwegische Version des französischen Chèvre kreieren“, erklärt der Käsereileiter. „Ein portionierter Käse, der sowohl als Vorspeise als auch als Dessert genossen werden kann.“ Das Ergebnis war ein gereifter Frischkäse in Zylinderform, verpackt in Pappelkartons aus Frankreich. Die Papierverpackung erinnert an einen Priesterkragen, daher passte es gut, den Käse nach Sveinung zu benennen. „Obwohl ich kein typischer Kirchgänger bin, hat sich zwischen uns eine enge Freundschaft entwickelt, und ihn auf diese Weise zu ehren, war mir eine besondere Freude“, sagt Tim Reidar.
Eine Freundschaft und eine Mission
Sveinung wurde schnell zu einem wichtigen Förderer der Käserei. „Ich nenne ihn gern einen Feinschmeckerpriester“, sagt Tim Reidar. Er zieht Parallelen zu den historischen „Kartoffelpriestern“, die in Norwegen das Wissen über die Kartoffel verbreiteten. Ebenso setzte sich Sveinung für die Vielfalt des norwegischen Käses ein. Auf seinen Reisen nahm er Käse von Hol Ysteri mit und teilte ihn mit anderen. Er brachte auch Käse aus anderen Käsereien mit, sodass Tim Reidar sich im ganzen Land inspirieren ließ. Auf diese Weise trug er dazu bei, das Wissen über die norwegische Esskultur und die lokale Wertschöpfung zu verbreiten.
Vom Priester zum Dekan – und von der lokalen Tradition zum nationalen Namen
„Wir standen gemeinsam auf dem Herbstmarkt in Hol und verteilten Käseproben“, erzählt Tim Reidar. „Wir wurden sogar in der Lokalzeitung als ‚Mädchen der Mittelseite‘ erwähnt!“ Als Sveinung später Dekan in Hallingdal wurde, musste der Käse natürlich von Presten in Prosten umbenannt werden. Vor einem Jahr wurde er Dekan in Tønsberg. Vor seinem Umzug erhielt er als Abschiedsgeschenk einen Gutschein für ein lebenslanges Gratis-Abonnement von Prosten. Um den Kontakt zu gewährleisten, steht auf der Karte, dass der Käse persönlich bei einer Tasse Kaffee in der Käserei abgeholt werden muss.
Ein Käse, der Gemeinschaft schafft
„Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, dass ein Käse nach mir benannt wird“, sagt Sveinung Hansen, der heute Dekan des Dekanats Tønsberg ist. „Viele servieren Prosten gern warm, aber ich bevorzuge ihn bei Zimmertemperatur mit einem guten Keks und etwas Marmelade. Als wir in Hallingdal wohnten, ließen wir unseren eigenen Apfelsaft bei Egge pressen, der hervorragend zu dem milden Käse passte. Ich habe Prosten schon mit Whisky, Sauerbier und Weißwein probiert, aber Apfelwein oder Apfelsaft sind meine Favoriten. Ich kaufe gern Käse als Geschenk und habe einmal meinen Kollegen ein ganzes Tablett geschenkt. Das Wichtigste an Käse ist das Teilen“, sagt der Dekan, der nun auch als Bischof amtiert.
Prestholt Geitost’s Hol Ysteri
Die Ziegenkäserei Prestholt liegt auf 1242 Metern Höhe über dem Meeresspiegel und ist damit einer der höchstgelegenen Höfe Norwegens, am Fuße des Hallingskarvet, teilweise im Hallingsk…